Quellennachweis: J. Metzler - Treverische Reitergräber von Goeblingen-Nospelt, Trier-Augustusstadt der Treverer.
Rund 500 Meter nordoestlich des gallo-roemischen Gutshofes "Miecher" sondierten die Nospelter Amateurarcheologen unter Leitung von Georges Kayser auf "Scheierheck" im September 1966 vier leichte Bodenerhebungen, die durch den Bau der Trinkwasserfernleitung des "Syndicat des Eaux du Barrage d'Esch-sur-Sure" (SEBES) bedroht waren. Die anschliessend durchgefuehrten Ausgrabungen brachten vier treverische Reitergraeber mit den bedeutendsten spaetkeltischen Funden Nordgalliens ans Tageslicht.
Allein der Bodenbeschaffenheit, einem Schichtrest von sehr schweren quartaeren Hoehenlehmen, ist es zu verdanken, dass die etwa 30 bis 40 cm hohen Grabhuegel bis in unsere Zeiten erhalten blieben. Die rund 2 Meter tiefen, mit Verbretterungen ausgeschalten Grabschaechte beinhalteten ausserordentlich reiche Beigaben.
Wie in der Spaetlatenezeit ueblich, waren die Toten in Goeblingen verbrannt worden, doch war die Asche nicht wie bei anderen aehnlichen Graebern ueblich in Urnen aufbewahrt, sondern sie waren auf dem Grund der Grabschaechte verstreut worden. Die Beigaben waren unverbrannt und fein saeuberlich in den Graebern beigelegt worden. Unzaehlige angegluehte Scherben und verbrannte Knochen lassen auf zusaetzliche Opfer bei der Leichenbeisetzung und Verbrennung schliessen.
Die zahlreichen, gut erhaltenen Grabesbeigaben lassen mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit darauf schliessen, dass es sich bei allen vier Toten um berittene Schwertkaempfer des spaetkeltischen Adelsstandes handelt. Die besonders langen Schwerter der Graeber A, B und C, deren Scheiden zum Teil mit bronzenen Zierplatten in reicher Durchbrucharbeit versehen waren, gehoeren zur spaetesten Entwicklungsform von spaetlatenezeitlichen Schwertern. Ausserdem zeigen die ausgegrabenen Reitersporen und Lanzenspitzen auf eine Zugehoerigkeit zum Ritterstand hin.
In der Bestattungsform und in der Zusammensetzung der Waffenbeigaben haben alle vier Goeblinger Graeber eine grosse Gemeinsamkeit untereinander und sie unterscheiden sich kaum von anderen spaetkeltischen Graebern des Treverergebietes. Erst die restlichen Grabesbeigaben lassen einen deutlichen zeitlichen Unterschied zwischen der Anlegung der verschiedenen Graeber zu. Waehrend die Graeber B und D noch rein keltische Bestattungen sind, so findet man in Grab A schon ein eindeutiges Mischinventar aus teils keltischen, und teils roemischen Beigaben vor.
Grab B ist, aufgrund der hier vorgefundenen Beigaben, eines der fruehesten roemischen Graeber des nordostgallischen Raumes.
Kurzum, die Inventare der vier Reitergraeber vermitteln archeologische Informationen, die einen guten Einblick in das noch groesstenteils unbekannte Bevoelkerungs- und Ansiedlungsbild der treverischen Zeit in unserem Gebiet geben.
Die beiden Graeber C und D gehoeren in den spaetesten keltischen Zeithorizont, in etwa das fuenfte und vierte Jahrzehnt v. Chr. Charakteristisch hierfuer sind neben den sogenannten Kummen auch die doppelkonischen Flaschen, die Terrinen und Bauchtonnen, sowie alle Gefaesse in feiner Drehscheibenware mit dunkelbrauner und schwarzer Oberflaeche. Einzig eine Weinamphore der Form Lamboglia, deren Form aus der Campagna herruehrt, stammt aus einem suedlaendischen Import.
Die Beigaben aus Grab A, setzten sich, im Gegensatz zum Inhalt der vorher erwaehnten Graeber, nebst spaetlatenezeitlichen Gefaessen auch aus neuen, roemischen oder roemisch beeinflussten Formen zusammen.
Diese Unterschiede sind nicht nur in der Form sondern auch in der Verarbeitungsweise und in der Farbgebung von den Gefaessen der Graeber C und D verschieden. Sie lassen einen deutlichen Bruch in der vorgeschichtlichen Keramikverarbeitung erkennen. Die in Grab A gefundenen Gefaesse kann man unbeschwert in Importstuecke italischer Toepfereien und roemisch nachempfundene Produkte gallischer Werkstaetten einteilen.
Der in Grab A bestattete Tote wurde in seinen letzten Lebensjahren sicherlich noch Zeuge einer ploetzlich neuen Formwelt. Der Beigabeninventar seines Grabes spiegelt das Ausklingen der Vorgeschichte und der gleichzeitige Durchbruch der aus dem Sueden importierten gallo-roemischen Kultur wieder. Das um nur wenige Jahre juengere Grab B verdeutlicht diese Entwicklung noch staerker.
Zwar handelt es sich bei diesem Toten auch noch deutlich um einen treverischen Adeligen, doch sind in diesem Grab die einheimischen Beigaben kaum noch vorhanden. Der reiche Beigabeninventar eines jeden der Goeblinger Graeber laesst eine ziemlich genaue und eindeutige chronologische Einstufung der Graeber C/D ueber A nach B zu.
Festhalten kann man, dass in den Goeblinger Graebern vier dem Adelsstand angehoerende treverische Reiter beigesetzt sind. Der Inventar der Gefaesse, insbesonders in den Graebern C und D, verdeutlicht, dass trotz der Eroberung Galliens durch die roemischen Truppen von Caesar, die Lebensweise auf trevenschem Boden noch rein keltisch war.
Holzeimer aus Goeblingen-Nospelt, Grab B, 1. Jahrhundert v. Chr.
Photo Musee d'Histoire et d'Art, Luxembourg
Der zylindrische Eimerkoerper besteht aus zwanzig miteinander verzapften Eibenholzdauben, von denen drei laengere die Fuesse bilden. Ein wellenfoermiges, in das Holz eingestanztes Bronzeband verstaerkt den Eimerrand. Drei glatte, von doppelten Randleisten gerahmte Baender umfassen den unteren Teil des Behaelters. Zwei, durch ein getriebenes S-Ornament verzierte Bronzeblechfriesen sind unterhalb des Randes mit Bronzenaegeln befestigt. Zwischen diesen Zierfriesen sind die zweiteiligen Henkeltaschen durch Nieten an den Dauben befestigt. In den scheibenfoermigen Attaschenenden drehen die gleichgeformten Zapfen des Henkels. Der Hohlhenkel aus Bronzeblech ist im Profil oval und wird von drei mehrwuelstigen Ringen zusammengehalten. Drei rechteckige Beschlaege sind mit Naegeln an den Eimerfuessen befestigt, ihr reiches Durchbruchmuster besteht aus einer symetrischen Komposition aus S-Mustern, Dreiecken, Sechsecken und Fischblasen.
Praesentation des Grabes B aus Goeblingen-Nospelt im Staatsmuseum.
Photo : A. Biwer - Musee d'Histoire et d'Art, Luxembourg
Im Vordergrund eine Bronzekanne vom Typ Ornavasso-Kaerumgaard, dahinter eine Bronzekanne mit Falldeckel. Um den Tisch herum stehen Spitzamphoren und ein bauchiges Fass (Dolium), waehrend man auf dem Tisch noch ein Weinsieb, einige Becher und Kruege erkennen kann.
Der ansetzende roemische Einfluss, den man in Grab A wahrnimmt, konnte sich bei Grab B schon stark durchsetzen, doch ist die Bewaffnung in allen 4 Graebern die von berittenen keltischen Schwertkaempfern. Kurzum muss sich die roemische Praesenz zwischen den Bestattungen der Graeber C/D und A/B in grossem Masse verstaerkt haben.
Moeglicherweise waren die Toten der Graeber A und B treverische Reiter in roemischen Diensten, wie sie im nur 17 km entfernten Oppidum des Titelberges nach der treverischen Revolte von 29 v. Chr., eingesetzt waren.
Die Qualitaet der treverischen Reiterei hat Caesar bekanntlich wiederholt in seinen Schriften "De Bello Gallico" hervorgehoben. Schon Tacitus bezeichnete diese Truppen als regulaere Auxiliartruppen, und diese keltischen Einheiten operierten in spaetrepublikanischer und augustinischer Zeit unter dem Befehl ihrer eigenen Stammesfuersten und mit ihren traditionellen Waffen. Moeglicherweise gehoerten die beiden zuletzt in Goeblingen-Nospelt bestatteten Reiter zum Fuehrungsstab eines Reiterdetachements in roemischen Diensten. Sicher werden weitere Ausgrabungen uns eines Tages diese Geheimnisse lueften.