Nach Bertholet teilten sich vor der ersten Zerstückelung des Herzogtums
Luxemburg und der Grafschaft Chiny nicht weniger als 7 fremde Bistümer unser
Land und zwar: Trier, Metz, Verdun, Reims, Köln, Namur und Lüttich.
Das Erzbistum Trier verwaltete den größeren Teil. Dieser umfaßte wiederum drei Archidiakonate: St. Peter mit Sitz Trier (Kathedrale), St. Agatha mit Sitz Longuyon und St. Mauritius mit Sitz Tholey.
Das Archidiakonat Longuyon seinerseits zählte 6 Dekanate im deutschen und 3 im wälschen Quartier.
Die Dekanate des deutschen Quartiers waren: Luxemburg, Arlon und Mersch.
Vom jetzigen Dekanat Koerich gehörten zum Dekanate Luxemburg die Pfarrei Mammern (Mamer); zum Dekanate Arlon die Pfarreien Garnich, Koerich, Küntzich (Küntzig), Niederkersen und Oberkersen (Kerschen); zum Dekanate Mersch die Pfarreien Sibenborn (Simmern) und Kehlen.
Nach der französischen Revolution teilte unser Land als Wälderdepartement (département des Forêts), das Schicksal der Kirche in Frankreich, welche durch das Konkordat vom 15. Juli 1801 ihre Freiheit wiedergewann. In kirchlicher Hinsicht kam das Luxemburger Land zum größten Teil an die Diözese Metz; wir sagen "zum größten Teil", denn einzelne Stücke verblieben den Bistümern Namur und Lüttich.
Die heute zum Dekanate Koerich gehörenden Pfarreien wurden ausnahmslos dem Bistum Metz einverleibt und waren folgendermaßen auf die einzelnen Kantone verteilt:
Luxemburg-Nord: Hölzern, Kopstal, Mamer.
Luxemburg-Süd: Kehlen, Nospelt.
Arlon: Eischen, Hobscheid, Koerich, Septfontaines.
Bettemburg: Bettingen a. d.
Mess.
Messancy: Bascharage, Clemency, Garnich, Hautcharage.
Im Jahre 1823 wurde das Großherzogtum Luxemburg in religiöser Hinsicht von Metz abgelöst und dem Bistum Namur angegliedert. So blieb es bis zum Jahre 1840 (2. Juni), wo „das Land" Luxemburg durch den Apostolischen Vikar Breve von Namur getrennt und als selbständiges Apostolisches Vikariat dem Apostolischen Vikar der seit 1830 holländisch gebliebenen Hauptstadt Luxemburg unterstellt wurde.
Bis zur Errichtung des Apostolischen Vikariates war die geistliche Einteilung dieselbe wie die weltliche, nämlich die in Kantone. Die am Hauptort des Kantons residierenden Pfarrer hießen Cures oder Cures primaires (Kantonspfarrer), die andern Succursalistes oder Cures desservants (Pfarrer). Nach der Gründung des Apostolischen Vikariates wurde dasselbe in Dekanate und Pfarreien unterteilt.
Es dauerte indes noch 3 Jahre, bis das Dekanat Koerich von bereits bestehenden Dekanaten losgelöst wurde.
Die kanonische Errichtung des Dekanats Koerich erfolgte am 26. Februar 1843 durch den Apostolischen Vikar Johannes Theodor Laurent.
Über die Beweggründe gibt uns ein Brief des ersten Luxemburger Bischofs interessante Aufschlüsse:
"Luxemburg, den 21. Januar 1843.
Sr. Hochwürden Herrn Gaspar, Pfarrer zu Koerich.
Indem ich Ew. Hochwürden hierbei die zwei begehrten Altarprivilegien
übersende, will ich Ihnen zugleich eröffnen, daß es meine Absicht ist, ein neues
Dekanat zu errichten, welches ungefähr dem bürgerlichen Kanton Kapellen gleich
sein soll, und dessen Sitz an die Pfarre Koerich zu legen. Ich habe auch schon
bei der Regierung die geeigneten Schritte getan, um Ihre Pfarre zu einer
Primärpfarre zweiten Ranges zu erheben, und hoffe, daß dieses Gesuch auf keine
Schwierigkeiten stoßen wird. Da es aber so lange dauert, ehe die Entscheidung
eintrifft, und der Mangel des zu errichtenden Dekanates in meiner Verwaltung
sehr fühlbar ist, so wünsche ich, schon jetzt im Geistlichen die Errichtung des
Dekanates vornehmen zu können, in der Erwartung, daß auch die Gehaltserhöhung
für die Pfarre nicht ausbleiben wird. Wollen Sie also mir nächstens Ihre
Willensmeinung zu erkennen geben, ob Sie unter diesen Umständen die Verwaltung
des neuen Dekanates zu übernehmen entschlossen sind?
Indessen empfangen Sie meinen achtungsvollsten Gruß.
Joh. Theodor, Bischof
vom Chersones, Apost. Vikar."
Durch kirchliche Verfügung vom 26.2.1843 wurden folgende Pfarreien dem neuen Dekanat Koerich zugeteilt:
1)Vom Dekanat Luxemburg-Süd - 5 Pfarreien: Koerich, Hobscheid, Nospelt, Kehlen und Keispelt.
2)Vom Dekanat Luxemburg-Nord - 8 Pfarreien : Garnich, Kahler, Hagen, Steinfort, Hölzern, Kopstal, Mamer und Capellen.
3)Vom Dekanat Ospern - 2 Pfarreien : Simmern und Eischen.
4) Vom Dekanat Bettemburg : 6 Pfarreien - Bettingen a. d. Meß, Dippach, Küntzig, Fingig, Niederkerschen, Oberkerschen und Sprinkingen, heute Schouweiler.
Durch königlich-großherzoglichen Beschluß vom 3.11.1843 wurde das neugeschaffene Dekanat staatlich anerkannt und mit einem Dechantsgehalt zweiter Klasse versehen.
Pfarrer Gaspar wurde zum ersten Pfarrdechanten des neuen Dekanates ernannt.
Sehr früh muss das Christentum in Koerich zur Blüte gelangt sein, denn
bereits in einer Schrift vom 12. Jahrhundert wird der hl. Remigius als Patron
der dortigen Kirche genannt.
Bis zur französischen Revolution handelte bei allen der Kirche gemachten Schenkungen und Vermächtnissen die „Bruderschaft des hl. Remigius und Unserer Lieben Frau von Koerich" als Treuhänder.
Sie war es auch, die dank ihrer Einkünfte aus dem Großbevingerhof den Bau der Koericher Pfarrkirche (seit 1843 Dekanatskirche) ermöglichte.

Dieses Gotteshaus ist nicht bloß ein Lob auf den Kunstsinn und den Edelmut
seiner Erbauer Ningels und Kariger, sondern auch ein Beweis des Wollens und
Könnens der Handwerker des 18. Jahrhunderts. Der Bau ist ganz dem Boden der
Heimat entsprossen. So stammen die Hau- und Mauersteine aus den im "Herrenbusch"
gelegenen, noch heute vorhandenen "Tiefenkaulen". Dachgerüst, Möbel und Statuen
sind aus den Eichenstämmen der Kirchen-Gemeindewälder gefertigt; Steinmetz war
Hanspeter Baraquin aus Koerich; Zimmermann Matthias Antony aus Reckingen a. d.
Mess; Nagellieferant für die Dachdeckerarbeit Johann Hoffmann aus Arlon ;
Fenstereisenlieferant Peter Schmitgen und Clemen Schmiden aus Koerich.
Wie kam die heutige Kirche zustande?
Im Jahre 1610 wurde die drittletzte Kirche abgetragen. An ihrer Stelle erbaute der damalige Pfarrer Henri de Sterpenich, genannt Gaderius, ein neues Schiff in Renaissancestil.
Dieses Gotteshaus, bei dem der alte Turm einstweilen belassen wurde, befand sich genau an derselben Stelle wie das heutige, reichte aber nur bis zur Kommunionsbank dieses letzteren. Zu beiden Seiten des Chores waren zwei Kapellen angebaut: zur Evangelienseite die "Gräfenkapelle", zur Epistelseite die "Fockenkapelle". Hier wohnten die damaligen Herrschaften von Koerich dem Gottesdienste bei; hier fanden sie ihre letzte Ruhestätte.
Unter der Empore auf der Epistelseite sieht man das Grabmal des Peter-Ernst von Rollingen, aus dem Gräfenschloß (gestorben 1623):
ANNO. DNI. 1623. DIE 14 MARTII. OBYT. ET. HIC. JACET. ILLUSTRIS. AC. ADMODUM. GENEROSUS. DNS. PETRUS. ERNESTUS. DYNASTA. IN.ROLLINGEN. ANSEMBORGH. SIEBENBORN. DALEMBROCH. KOERICH. MARESCHALCUS. HAEREDITARIUS. MARCHIONATUS. ARLUNENSIS. CAPITANEUS. AC. PRAEPOSITUS. REGIAE. MAJESTATI. HISPANIA-RUM. IN. REBUS. BELLICUS. ETCIVILIBUS. A. CONSILIIS. EQUES. NOBI-LIUM. JUSTICIARIUS. NECNON. PROGU. BERNATOR. IN LUXEMBURGENSI. DUCATU. ET COMITATU. CHINENSI. CUJUS ANIMA IN. PACE. REQUIESCAT. AETERNA.
Ihm gegenüberauf der Evangelienseite steht der Grabstein seiner Gattin, Anna von Pallant (gestorben 1619):
HIE. LIEGT. BEGRABEN. ANNA. GEBORNE. DOCHTER. VON. PALLANT. FRAW. ZU. ROLLINGEN. SIEBENBORN. ANSEMBORGH. DALEMBROCH. UND KORRICH. WELCHE. IN. GOTT. VERSCHEIDEN. IST. DEN V. SEPTEMBRIS. 1619. DERO SEELL GOTT. GNAD.
In der Sakristei befindet sich das Denkmal der großen Wohltäterin der Kirche, Anna Beatrix von Nassau, aus dem Fockenschloß:
ES IST AM 17 JUNY 1659 IN GOTT ENTSCHLAFEN DIE WOHLEDELE GEBORENE EHR UND THUGENT REICHE ANNA BEATRIX FOC. KYN. VON HUBINGEN GEBORENE VON NASSAW ZEITLEBENS FRAW ZU KOERICH. SO NEBEN IHREM ERSTEN HERREN EHEVOGT BEGRABEN LIEGT. IHRE SEELEN GNADT IN GOTT.
Im Jahre 1727 erhielt die Renaissancekirche ihren neuen Renaissanceturm, dessen Portal mit dem in Stein gehauenen Bild der Trösterin der Betrübten und den Statuen des hl. Remigius und der hl. Luzia besondere Beachtung verdienen.
lmJahre 1745 war das Schiff der Renaissancekirche baufällig geworden, und der derzeitige Pfarrer J. P. Ningels setzte sich ans Werk, um seiner Pfarrei die heutige Barockkirche zu schenken. Nachdem er sein bedeutendes Vermögen hergegeben, das seiner zwei Schwestern verpfändet und eine Reihe Anleihen aufgenommen hatte, machte sich der energische Mann mit oben erwähnten Handwerkern an die Arbeit.
Baumeister war Hanspeter Baraquin aus Koerich. Im Jahre 1748 warder Rohbau fertig, und es konnte mit der Inneneinrichtung begonnen werden.
1749 war die trotz ihrer gewaltigen Mauern kokett aufstrebende, im
Benediktinerbarock des 18. Jahrhunderts gehaltene Kirche vollendet. Die
Herrschaften hatten als Ersatz für ihre Kapellen schön ausgeführte Stallen im
Chor und eine Krypta unter den Chor als Begräbnisstätte erhalten.


1755 wurden die noch heute so viel bewunderten Barockmöbel für 1000
Reichstaler in Verding gegeben : der dreiteilige Hochaltar, der weit und breit,
was Wucht und Erhabenheit der Ausführung betrifft, nicht seinesgleichen findet;


die zwei ersten Beichtstühle, die Stallen, Adler und Statuen usw. Als Unternehmer zeichneten
die Schnitzermeister Friedrich Biver aus Koerich und Andre Doye aus Diekirch verantwortlich.
Vier weitere Beichtstühle wurden unter Pfarrer Ningels' Nachfolger, Ernest
Kariger, durch Friedrich Biver nachgeliefert, "der die zwei ersten so schön
gemacht und auch diese vier soll machen zierlich und kunstgerecht".
Aus der alten Kirche wurden herübergenommen: der Predigtstuhl, der
Sakristeischrank, das schwere Missionskreuz von 1735 sowie die Pieta, ehemals
eine Zierde der Frantzenkapelle, die unter Pfarrer Ningels durch einen
Einsiedler und fromme Frauen restauriert worden war und beim Tode des Eremiten
verfiel.

Diese Statue, die unten in der Kirche zu sehen ist, ist ganz aus Eichenholz, hat einen großen Kunstwert und ist, wie früher, so auch noch heute der Gegenstand der Verehrung Leidbeladener. Sie wurde mit dem Innern der Kirche im Jahre 1936 von Maler Bove aus Luxemburg kunstgerecht renoviert.
Interessant ist auch der Taufstein mit seinem Marmorbecken, eine Nachahmung
desjenigen der St. Hubertusbasilika in St. Hubert, ein Werk des Bildhauers
Pierre Philippart
Auch die Tabernakeleinrichtung, die sich mittels eines Uhrwerkes öffnet und schließt und zugleich das Hochw. Gut hervor- und zurücktreten läßt, ist sehr bemerkenswert. Sie wurde unter Pfarrer Ningels durch den ehrsamen Schlosser Johann Becker aus St. Veit, zum Preise von 77 Reichstaler geliefert.
Die Kommunionbank und die Emporbrüstung weisen ungefähr alle Motive der Barockkunst auf und sind aus Schmiedeeisen mit wunderbarer Einheit und Vielfältigkeit gearbeitet.
Neuern Datums sind die herrlichen, von Dechant Meyers angeschafften Kirchenfenster, die Statuen des göttlichen Herzens Jesu und des hl. Josephs, sowie die in den Füllungen der Wandtäfelung vom Maler Dasburg gemalten Kreuzwegbilder (1919).
Folgende Arbeiten seien noch erwähnt, die unter Pfarrer Kariger zur Ausführung gelangten :
1. Das Anlegen einer monumentalen Treppe als Aufstieg zum Portal (1771).
2.Der Ankauf der großen "Klock", die ehemals als Stadtglocke der
St. Nikolauskirche von Luxemburg die großen kirchlichen und weltlichen Feste
einläuterte. Sie wiegt ohne den "Klüppel" 2490 Pfund und kostete laut
"Glockenmarkt" 800 Reichstaler, 2 Schilling und 6 Stüber.
Der Handel wurde abgeschlossen zwischen Pfarrer Kariger und Anton Pescatore (1778),
Ihre Inschrift lautet:
A sonor meo pellitur hostis, quoque leo, fugo toni trua, nubilosa premitur aura,
Deum magnifico.
Die Anschaffung einer zweiten Glocke, laut demselben
"Glockenmarkt", aus der St. Nikolauskirche von Luxemburg. Sie wiegt 1503 Pfund,
und trägt die Aufschrift:
Nicolle je suis appelee pour estre en ehe Neu eslevee
1671. Pre de Ransart et son beau fils Jacques Perdry nous a fait.
3.Die Bekrönung des 1727 erbauten Renaissanceturmes mit einem im
Barockstil gehaltenen Stockwerk und einem originellen zwiebeiförmigen Helm, der
weit über das Dorf hinaus den Wanderer grüßt (1791).
Also wurde fast ein
Jahrhundert an der Koericher Kirche gebaut.
Andere bedeutende Daten in der Geschichte der Kirche von Koerich sind das Jahr 1936, wo die Kirche restauriert und verschönert wurde, das Jahr 1947, wo die Kirchglocken elektrifiziert wurden, und das Jahr 1949, wo die automatische Kirchenuhr angeschafft wurde.
Im Jahre 1969, unter Dechant Josef Kirsch, wurde die von 1886 stammende Barockorgel, erbaut von den Gebrüdern Breidefeld aus Trier, durch eine neue Orgel ersetzt. Sie stammt aus den Werkstätten Walker und Co. aus Ludwigsburg. Der Kostenpunkt lag bei 110.900,- DM.

Im Jahre 1991 erhält die Firma Ochsenfarth aus Paderborn vom Kulturministerium den Auftrag, die Kirche von Grund auf zu restaurieren.
Am 14. März 1993 kann die restaurierte Kirche im Rahmen einer Feierstunde der Oeffentlichkeit vorgestellt werden.
Momentan ist die Koericher Dekanatskirche eine der schönsten in unserem Lande.
Aber nicht nur in Koerich wurde eine Kirche errichtet. Auch aus der Filiale
Goetzingen, im Jahre 1828 errichtet, weiß die Geschichte einiges zu berichten.
1421 wurde nachweisbar die erste Kapelle mit Hilfe der Koericher Schloßherren
erbaut. Sie war der Muttergottes, dem heiligen Cornelius und der heiligen
Barbara geweiht.
Die zweite Kirche wurde 1570 erbaut und stand unter dem Schutz
des hl. Remigius.
Die jetzige, im romanischen Stil gebaute Kirche stammt aus dem Jahre 1880. Nach mehrmaligen Ausbesserungen und Verschönerungen in den Jahren 1918, 1939 und 1947 wird im Jahr 2003 mit einer Rundumerneuerung begonnen.
Die Kapelle von Goeblingen stammt aus dem 16. Jahrhundert. Im Jahre 1635 wurde der dortige Altar vom Weihbischof von Trier konsekriert. Am 2. April 1854 wurde die Glocke eingesegnet; 1915 war die Glocke geborsten und wurde 1924 durch eine neue ersetzt. Ein einzigartiges Kunstwerk bildet ein in die rechte Innenwand eingebautes Reliefbild der Heiligsten Dreifaltigkeit mit den 12 Aposteln aus Stein .
Abschließend seien noch drei Kapellen erwähnt, die heute nicht mehr bestehen ; die St. Michaelskapelle im Gräfenschloß, die St. Magdalenen-kapelle in den Räumlichkeiten des Fockenschloßes und die Frantzenka-pelle am Scheideweg von Steinfort nach Hobscheid.